Leipzig mit Leibzscher Allerlei

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fotos © galerie / fotobee.de - Leipzigs Neues und Altes Rathaus

Leipzig ist mit 506.200 EW (2006), 565 000 EW (1980) die größte Stadt Sachsens.

Es liegt inmitten der Leipziger Tieflandsbucht an der Weißen Elster und der Pleiße, seit Urzeiten Schnittpunkt wichtiger europäischer Verkehrswege mit reizvollen Auenlandschaften. Renner ist der Kulkwitzer See im Südwestlichen Stadtgebiet. Auch bieten die nahe Dübener Heide und die neugeformten einstigen Braunkohlenreviere ein Umfeld mit Potential.

Das hochwasserfreie Land im Zentrum der Stadt nahe dem Matthikirchhof war schon um 3000 v.u.Z. von Menschen bewohnt. Im 7. Jh. u. Z. gaben Slawen der Siedlung den Namen Lipzk (Lindenort). Sie betrieben Fischfang, Ackerbau und Viehzucht und lebhaften Tauschhandel.
Später gründeten deutsche Feudalherren einen Burgward mit der

1015 wurde Leipzig erstmals urkundlich erwähnt als "urbs Libzi“, Ort mit Burg. Im Schutz der Burg bildete sich im 10./12. Jh. eine Kaufmanns- und Handwerkersiedlung heraus, der um 1165 Markgraf Otto von Meißen das Stadt- und Marktrecht zugleich verlieh. Ab 1190 fanden jährlich zwei große Jahrmärkte statt.

Anfang des 13. Jh. rebellierten übermütige Bürger gegen den Markgrafen. 1409 Gründung einer Universität. 1497 erhob Kaiser Maximilian I. drei Jahrmärkte zu Reichsmessen, verlieh zehn Jahre später der Stadt das Stapelrecht - im Umkreis von 100 km! Damit wurde Leipzigs führende Stellung im Ost-West-Handel faktisch anerkannt.
Weitere Basis für Wirtschaftswachstum war die reiche Ausbeute erzgebirgischer Silbergruben. Im 15./16.Jh. entstanden spätgotische Hallenkirchen, ein neues Gewandhaus, ein Waagegebäude am Markt, das gewichtige Renaissance-Rathaus. Bürger erbauten die ersten größeren Handelshöfe. Ein Befestigungsgürtel, überragt von der landesherrlichen Pleißenburg, sicherte die Stadt.
Im Dreißigjährigen Krieg wurden nahe Leipzig drei Entscheidungsschlachten geschlagen:
Breitenfeld (1631), Lützen (1632) und wieder Breitenfeld (1642). Die Stadt erlebte fünf Belagerungen und Beschießungen, erholte sich aber relativ schnell.

Im 18. Jh. wurde Leipzig zum Schauplatz der größten deutschen Warenmesse, stieg zu einem der ersten Umschlagplätze für Rauchwaren auf und gewann die Stellung einer deutschen Buchhandelsmetropole. Die Barockstadt baute sich eine repräsentative Handelsbörse und schmückte sich mit palastartigen Bürgerhäusern, Gärten und Promenaden. Es entfalteten sich Literatur (Gottsched, Gellert), Schauspielkunst (die Neuberin, Koch) und Musik (Bach, Gewandhauskonzerte). 1764 öffnete eine Kunstakademie, 1766 ein würdiger Theaterneubau, die Dichter Klopstock, Lessing, Goethe, Jean Paul, Frieder Baumann u. a. studierten in Leipzig. Die Messestadt wurde zum traditionellen Mittelpunkt der Kultur.

Leipzig Völkerschlachtdenkmal © steschumNach der Not des Siebenjährigen Krieges stand die Stadt erneut im Brennpunkt: - die Völkerschlacht bei Leipzig wurde 1813 geschlagen, in der 126.000 Männer fielen.

Das weithin sichtbare, nicht unumstrittene Denkmal (1898/1913) wurde saniert (ab 2002).

Industrialisierung

1839 fuhr die erste deutsche Ferneisenbahn von Leipzig nach Dresden. Der Hauptbahnhof (1842) ist der älteste Kopf- bzw. Sackbahnhof der Welt. Richtig fertig wurde er erst 1915, weil in doppelter Ausführung - jeweils getrennt nach sächsischer und preußischer Staatsbahn. Inzwischen ist der Bahnhof eine Erlebnisoase mit Toiletten-Verleitsystem.
Der Bayrische Bahnhof (1844) wurde aufwändig vom Platz verrückt.

In 35 Jahren verdoppelte sich die Einwohnerzahl auf 63.000 (1850). Uni, Post, Museum, Oper, auch ein Konservatorium wurde gegründet (1843). Die musikalische Tradition setzten Mendelssohn Bartholdy, Schumann, Lortzing und Wagner fort.

Zum traditionellen Buch- und Rauchwarengewerbe kamen Betriebe der Metall-, Maschinen-, Textil- und chemischen Industrie. Durch die Eingemeindung zahlreicher Industrievororte wuchs die Einwohnerzahl 1871 auf 100.100 und Leipzig wurde Großstadt und bald auch einen Zentrum der Rüstungsindustrie.

In der NS-Zeit sind mehr als 6.000 Widerstandskämpfer in Leipzig verhaftet, viele von ihnen ermordet worden. 1945 war die Stadt zu 24% zerstört, dabei 80% der Messehallen.

gemessen:
Weil so wichtig, wurde die Messe wieder zu einer Messe von Weltgeltung entwickelt, wurde mit jährlichen Frühjahrs- und Herbstmessen zur wirtschaftlichen Drehscheibe zwischen Ost und West. Nach 1990 war eine Neuprofilierung des Messestandortes erforderlich - weg von den Universalmessen, hin zu Fachmessen. Dazu entstand ab 1993 am nördlichen Stadtrand nahe der Autobahn am ehemaligen Flughafen ein imposanter supermoderner Messekomplex. Herzstück ist eine etwa 243 m lange, 80 m breite und 30 m hohe Glashalle, die allein schon 102.500 m² Ausstellungsfläche bietet. Diese Hochhalle wird auch für Großveranstaltungen für bis zu 15.000 Besucher genutzt. Der Messeturm verkündet sein "MM" in 85 m Höhe weitreichend.

Leipzig wurde zu einer Stadt des Sports (Fußball WM 2006) und blieb kulturelles Zentrum:
Universitätsbibliothek, Comenius-Bücherei, Zentralbücherei für Blinde u.a., Buch- und Schriftmuseum, das Museum für Völkerkunde (besonders anschaulich und originär), das Museum für Geschichte der Stadt Leipzig mit dem Wojzeck-Richtschwert (Neubau Brühl/Reichsstraße), Museum der bildenden Künste, Oper, Thomaner...

sehenswerte Innenstadt

der alte neue Leipziger Brühl 2006Der Brühl ist Eingangstor vom Hauptbahnhof ins Zentrum. Nicht nur weil hier das Geburtshaus von Richard Wagner stand, auch die modern kultige und zu erhaltene Blechbüchse, war zur optischen Verbesserung nicht nur eine gelegentliche Bemalung der Großplatten-Bauten sinnvoll, sondern ein Rückbau und Neubau. Vielleicht ein gutes Omen, mit Grüntuch und Ernst - so der Name des Berliner Architektenbüros - auf Umbaukur zu gehen.


[A] Augustusplatz
[B] Barfußgässchen
[M] Markt, Altes Rathaus (1556, Renaissance)
[N] Naschmarkt, Alte Handelsbörse (1678/87)
[R] Neues Rathaus; Stadthaus


Leipzig Innenstadt, Plan der Sehenswürdigkeiten

[1] Thomaskirche (1212)
[2] Coffe Boom (um 1600)
[3] barockes Romanushaus Katharinenstr./Ecke Brühl, (1701-1704, G. Fuchs)

[4] Nikolaikirche (1175)
[5] Opernhaus (1976/81)
[6] Gewandhaus (1976/81)
[7] Weisheitszahn (MDR)
[8] Moritzbastei (1551/53)


[9] Mädler-Passage (1912) mit Auerbachs Keller. Darin ficht Valentin mit dem Teufel und Saufkumpel Frosch fand hier seine Bildung.
Überhaupt prägen die alten Messehöfe, Handelshäuser mit Durchgangshöfen, die Wohn- und Geschäftshaus miteinander verbanden stark die Innenstadt.
Barthels Hof an der nordwestlichen Marktseite (Hainstraße) ist der älteste und einzig ursprünglich erhaltene Durchgangshof, 1523 in Renaissance errichtet, 1747/50 barock umgebaut. Hier auch eines der ältesten Gasthäuser der Stadt, mit Weinschenke.
Die später entwickelten Passagen stehen in der Tradition dieser stattlichen Handelshöfe. In der
Specks Hof, ein typisches Messehaus etwas östlich davon und nahe der Nikolaikirche, wurde 1909 erbaut, später erweitert, und hat drei Lichthöfe mit Wandmalereien. Und gleich noch ein weiteres Messehaus, der Handelshof (1909), wieder mit zahlreichen Passagen. Nach Süden reiht sich dann die Messehofpassage an.

weiterhin:
an 30 prachtvolle bürgerliche Barockgärten

literarisch:

Das Institut für Literatur Johannes R. Becher Leipzig begann im Herbst 1955 mit dem Lehrbetrieb. Ausgebildet wurden Schriftsteller und Literaturkritiker. Durch Beschluss der Sächsischen Staatsregierung wurde das Institut 1991 geschlossen.

Leipzigs berühmte HammermännerRobert Zimmermann sagte über die "Gloggenmänner" am Augustusplatz u.a.:

Eisrn, schdarr, in sich gefesdigd,
Schdehnse da in ernsder Ruh,
Schdeds im richts'jen Oogenblicke
Holnse aus un hauen zu.

Lene Voigt warnt vor nächtlichen Ausflügen an die "Bleiße":
Wo de wilden Schtrudel gorchelnd wärbeln,
Sieht bei Mondschein mer de Nixen schärbeln.
Manche wedeln mit ä lilan Schleier,
Daß mer schbiert: Hier isses nich geheier!

Stadtteile/Eingemeindung
Lage einiger Stadtteile von Leipzig Althen-Kleinpösa Altlindau Anger-Crottendorf Baalsdorf Böhlitz-Ehrenberg
Burghausen-Rückmarsdorf Connewitz Dölitz-Dösen Engelsdorf Eutritzsch Gohlis Großzschocher Grünau
Hartmannsdorf-Knautnaundorf
Heiterblick Holzhausen Kleinzschocher
Knautkleeberg-Knauthain
Lausen Leutzsch Liebertwolkwitz Lindenau Lindenthal Lößnig
Lützschena-Stahmeln
Marienbrunn Meusdorf Miltitz Mockau Möckern Mölkau Neulindenau, Neustadt-Neuschönfeld

Paunsdorf Plagwitz Plausig-Portitz Probstheida Reudnitz-Thonberg Schleußig Schönau Schönefeld-Abtnaundorf
Seehausen, Sellerhausen-Stünz
Stötteritz Südvorstadt Thekla Volkmarsdorf Wahren Wiederitzsch Zentrum

Böhlitz-Ehrenberg (NO)

größte Industriegemeinde Sachsens

Gohlis (NW)

Friedrich Schiller schuf hier die Ode an die Freude, die Beethoven zum Schlusschor seiner 9. Sinfonie vertonte. In dem um 1700 errichteten bäuerlischer Balkenbau mit dicken Lehmmauern in der Menckestraßer hatte er 1785 Quartier genommen. Vor dem heutigen "Schillerhaus" Museum fällt das barocke Vorgartentor auf.
Gohliser Schlösschen am Rosental - 1755/56 im Stile zwischen Rokoko und frühem Klassizismus als Sommersitz des Rats- und Kaufherrn Caspar Richter errichtet, mit Deckengemälde von A.F. Oeser - ist einziger Schlossbau Leipzigs und heute guter Rahmen für musikalisch-literarische Veranstaltungen, Konzerte.
Zoologischer Garten - eine Welt aus vielen Welten. Das Pongoland ist die größte Anlage der Welt für Menschenaffen.

Gose - Genuss "Ohne Bedenken". Das leicht säuerliche obergärige Bier ist eine ähnliche Spezialität wie die Berliner Weise. Auch ohne Schuss.

Neustadt

kleinster Stadtteil im Osten der Stadt, zwischen Hermann-Liebmann-Str. und Rosa-Luxemburg-Straße. Zentrum ist der Neustädter Markt.
Als die erste deutsche Fernbahnverbindung Leipzig-Dresden um 1860 realisiert wurde, war der Ort Süden begrenzt und Leipzig wuchs allseits darum, bis er schließlich 1890 eingemeindet wurde.
Der Stadtteil wurde nach 1970 fast komplett dem Verfall preisgegeben. Seit 1989 gibt es ein Sanierungskonzept. Nun wird schrittweise wiederbelebt.
Die viele gründerzeitliche Wohnhäuser erforderten neben Sanierung eine moderne Versachlichung. Zweckmäßigkeit mit Stil ist Trumpf. Was investitionsfähige Bürger einst weit aus der Stadt trieb, soll sie jetzt wieder heranlocken - viel Terrasse, große Fenster, Licht und steigende Benzin- und Autopreise, Versicherungsbeiträge. Dafür beste nah liegende Einkaufsmöglichkeiten, der Neustädter Markt, Parks und das greifbare Flair einer Metropole, dem man aber nicht ständig ausgesetzt ist.

Plagwitz

Das (angeblich) einst hässliche Industrieviertel wurde inzwischen revitalisiert, also wohl auch deindustrialisiert. Alte Marktlücken taten sich neu auf - Gondelfahrten auf Pleiße und Weißer Elster.