Unter Preußens Regentschaft ab 1815 "entwickelte" sich Wittenberg zum Landstädtchen mit hallenser Uni-Anhängsel. Das änderte sich erst mit Industrialisierung in den achtziger Jahren des 19. Jh.. Ein Elbhafen wurde angelegt, verschiedene Industriezweige (Gummi, Eisenrohre) entstanden.
Bemerkenswert ist die Geschlossenheit der alten Stadtanlage. Die beeindruckendste Stadtansicht hat man von der Elbseite.

[R] Rathaus mit Gerichtsportal (1523/40, Renaissance)
[M] Marktplatz, angenehm offen, begrenzt durch gut miteinander harmonierenden giebelverzierte Renaissancebügerhäuser und das Rathaus.
Am Platz stehen Denkmäler (Bronzeguß) der Reformatoren Luther (von G.Schadow, 1821) und Melanchthon (von F. Drake, 1860) unter zierlich neugotischen Baldachinen
Weiter östlich vom Markt steht das Melanchthonhaus (1536/37, Renaissance, Rundgiebel), Augusteum mit weiter Toreinfahrt in einen malerischen Hof mit prächtigem Lutherhaus. Katharinen-Portal: Katharina von Bora gebar Luther sex Kindlein.
[1]
Stadtkirche St. Marien am Kirchplatz, 13. bis zum 15. Jh., doppeltürmig (66m) mit eher renaissance geprägten Turmhauben, schlichtes Äußeres, dabei Nordportal reichlich dekoriert.
Im Inneren wertvolles Inventar, speziell die Grabmäler, Altar und Taufbecken (1457), ein aus Bronze gegossenes Werk des Nürnberger Meisters H. Vischer mit reichen gotischen Formen. Hauptaltar von Lucas Cranach d. Ä. - eine Zeit lang Bürgermeister der Stadt! - zeigt u. a. den predigenden Luther und Melanchthon, der lächelnd ein Kind tauft.
[2] Cranachhaus Schlossstraße Nr. 1
[3] Schloss am Schlossplatz, nach seiner Zerstörung nur notdürftig wieder instand gesetzt worden - Das soll nun die die prächtige Residenz der sächsischen Kurfürsten gewesen sein? Respektabel allerdings noch heute die Türme.

[4] Schlosskirche (1490-1505) mit der Thesentür und rundem Turm. Sie wurde im Siebenjährigen Krieg 1760 zusammen mit dem benachbarten Schloss zerstört, aber 1892 wieder errichtet. An ihrer Pforte waren Luthers Thesen angeschlagen. Es waren nur 95 an der Zahl, in allgemein verständlichem Latein abgefasst. Deshalb ist Ablasshandel inzwischen tägliche Praxis und gehört zur deutschen Werteordnung wie der Paragraf ins Gesetz.
[?] Geplant ist ein großes Einkaufszentrum zur Verdrängung des kleinteiligen Einzelhandels aus der Innenstadt, der im Verhältnis zur derzeitigen Kaufkraft ohnehin schon überprpoportional ist (2009).
OT Piesteritz. Das Stickstoffwerk zählte um 1980 etwa 6.000 Beschäftigten.Die Piesteritzer Siedlung, erbaut 1916-19 (Architekt: O.R.Salvisberg / F.Gerlach), ist ein Städtebauliches Lehrbeispiel für romantisch verklärten und doch mustergültigen Siedlungsbau Anfang 20. Jh.. 1986 Aufnahme der Werkssiedlung der Stickstoffwerke in die Denkmalliste der DDR; 1990 Privatisierung; Aktion von Bauhaus, Denkmalbehörde, Stadtverwaltung, Siedlungsverwaltung und Verein Industrielles Gartenreich e.V. zur Fortführung des Denkmalstatus, 1996 Anerkennung als erstes Projekt der Korrespondenzregion zur EXPO 2000.