Ofterdingen ist eine Gemeinde mit rund 4.500 EW (2012) im Steinlachtal zwischen Schwäbischer Alb und Landschaftsschutzgebiet Rammert
Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Dorf um 1150, als hier eine Gerichtsversammlung unter Vorsitz des Pfalzgrafen Gottfried von Calw stattfand. Im 14. Jahrhundert gehörte das Dorf den Grafen von Zollern, von denen es 1346 Friedrich Herter von Dußlingen erwarb. Sein Nachkomme Jakob Herter musste 1417 Ofterdingen an das Kloster Bebenhausen verkaufen. Fortan war das Dorf Teil des Klostergebiets, nach der Reformation 1534/35 des Klosteramts Bebenhausen. Von 1807 bis 1810 gehörte Ofterdingen zum Oberamt Tübingen, anschließend zum Oberamt Rottenburg bis zur Bildung des Landkreises Tübingen im Jahr 1938.
Fachwerkhäuser in der Kirchstraße, im Höfle und an der Tübinger Straße (früherer "Weißer Ochse"), teilweise unter Denkmalschutz
[R] Rathaus (1523), drei Wappen mit Schriftband, baulich verändert, 1977 Fachwerk freigelegt, 1998 Treppenhausanbau ➥ Rathausgasse.
[K] Kirchplatz mit Bronzestatue "Heinrich von Ofterdingen" (2009) von Bildhauer Andreas Futter aus Ofterdingen
Burghofhalle
Zehntscheune (1568) auf dem Ofterdinger Berg anstelle der Mauritiuskirche. Wiederaufbau nach Brand, heute Nutzung durch die Freiwillige Feuerwehr Ofterdingen, Festsaal und diverse Vereinsräume.
Mauritiuskirche Kirchstraße, Chorgestühl aus der ehemaligen Bergkirche
Ofterdinger Schneckenpflaster, so wird die im Flussbett freigespülte Anammlung riesiger fossiler Ammoniten und Austernmuscheln entlang der Kriegsstraße genannt. Naturschutz!
Dass der sagenhafte Minnesänger Heinrich von Ofterdingen tatsächlich aus Ofterdingen stammt, ist bislang nicht bewiesen. Der Name Ofterdingen kommt als Ortsname nur im Steinlachtal und als Burgname in der Nähe von Waldshut vor. Aber stammte er nicht eigentlich aus Afterdingen? War die Lautverschiebung dichterische Freiheit des überliefernden Dichters Novalis, eigentlich Friedrich von Hardenberg, oder eine Frage der Namensästhetik. Sein letzter Roman blieb nur Fragment. Der Tod ließ keine weitere Zeit. Aber das Vorhaben, gedacht als großer Entwurf der Poesie des Romantikers gegen Goethe, war wohl zu anspruchsvoll, zumal er teils auf dessen stilistischen Duktus verfiel. Immerhin machte er so das Städtchen berühmt. Das dadurch mit bekannt und für die Romantik sinnbildlich gewordene Symbol der "blauen Blume" entstammt zwar seinem Denken, wenngleich er es dem Suchenden Heinrich von Ofterdingen in den Weg legte.
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