Görlitz (Zhorjelc) an der Neiße - die Allerschönste

... und trotzdem (vielleicht auch weil Grenzstadt?) neben Chemnitz, Zwickau und Hoyerswerda Stadt mit stärkstem Sachsenschwund (2002); Trotz Streckungs-"Wachstum" der Stadt in den Neunzigern ging die Kreisfreiheit per 7/2008 verloren. Inzwischen aber haben Senioren der alten Bundesländer erkannt, dass es hier mit gut gesicherter Rente allerhand Sparpotential bei beachtlicher Lebensqualität zu genießen gibt. Go East.

57.200 EW (2006); 69.583 EW (1995), 82.000 EW (1980); auf 44,1 km²; weithin basaltene Landskrone 420 ü.NN. im westlichen G. ist wie der Kaisertrutz (1490) Wahrzeichen. Einzig das Flächendenkmal mit über 3.600 (!) Einzeldenkmalen.

1071 wurde Görlitz erstmals urkundlich erwähnt, noch als Dorf. Am westlichen Übergang der Neiße entwickelte sich die Siedlung am Schnittpunkt zweier Handelsstraßen neben einem älteren slawischen Dorf Gorelic.
Ab dem 13. Jh. von den Deutschen dominiert. Der Obermarkt wurde Mitte 13.Jh. geschaffen. Tuch- und Waidhändler (Waid=blaues Färbstoff) aus Thüringen benötigten den Unteren Markt.

Görlitz gehörte lange Zeit zu Böhmen und entwickelte sich in dieser Zeit zur größten und mächtigsten Stadt der Lausitz. Das förderte wohl den Hochmut, auch Übermut einiger Bürger und prvozierte ein kaiserliche Strafgericht. Damit endete 1547 die Blütezeit. Den großartigen Reichtum an historischen Bauten der Gotik und Renaissance verdankt Görlitz aber eben dieser böhmischen Periode. Anfang 16. Jh. kurbelte die eingeführte Leineweberei erneut den Handel an.

Der Dreißigjährige Krieg richtete an der Stadt schwere Schäden an. Görlitz konnte sich davon nie richtig erholen, kam erst nach dem Dreißigjährigen Krieg an Sachsen, 1815 an Preußen, wurde schließlich schlesisch.

Die Großindustrialisierung im 19.Jh. brachte neben Webereien schließlich den Waggonbau, Maschinenbaubetriebe, optische Industrie und neuen Aufschwung. Im Zweiten Weltkrieg wurde Görlitz von Schäden verschont - daher die einzigartige Altstadt mit 3.500 denkmalgeschützten Gebäuden, die mit EU-Mitteln und anonymen Spenden(!) lebenswert saniert wurden.

sehenswerte Altstadt

Die historische Altstadt und Nikolaivorstadt zeigt sich mit vielen Parkanlagen und Türmen als städtebauliches Denkmal der Renaissance- und Barockzeit. Prächtige gründerzeitliche Bauten säumen den Postplatz und die Berliner Straße.

[R] Rathaus: 1378 errichtet, im 16. Jh. im Stil der Renaissance erweitert, berühmte Rathaustreppe, Wappen von Mathias Corvinus (1488), dem ungarischen und böhmischen König, zwei Kunstuhren, Neues Rathaus von 1903 im Stil der Renaissance.
[O] Obermarkt, langgestreckt und reichlich barock umbaur
[U] Untermarkt: älteste Handelszentrum der Stadt, eine ringförmige Platzanlage um einen hochinteressanten Häuserblock. Anbei zahlreiche Gebäuden: Lange Lauben, früher Zentrum des Tuchhandels, Nr. 5 mit zwei zentralen Hallen und Kapelle,spätgotischer Saal. An der Ostseite des Untermarkts die Hirschläuben, verschiedene Stilelemente. Die Zeile teilt den Untermarkt, Waagen (1600) und Börse (1714, barockes Kaufmannsgebäude. Flüsterbogen am Untermarkt 22, spätgotisches Portal mit Rundbögen: Wer am einen Ende etwas flüstert, wird am anderen verstanden.
Görlitz, sehenswerte Innenstadt[1] Ehemalige Ratsapotheke: Renaissance von 1550, Son- nenuhr von Z. Scultetus, auch ablesbar in babylonischer, nürnberger und römischer Zeit.
Baumhaus Peterst. 14, spätgotisches Hallenhaus, barock umgebaut, Treppenspindel aus mehreren Baumstämmen.
[2] Barockhaus Neißestr. 20, mit Oberlausitzischer Bibliothek und Museum der Städtischen Kunstsammlungen (Volkskunde der Oberlausitz, Wissenschaftsgeschichte, Kunst und Handwerk des 15. bis 20. Jh., Einrichtungsgegenstände).
Biblisches Haus Neißestr. 29, Renaissancestil, Bibelszenen
[3] Schönhof
der dürre Mönch von Görlitz bewacht mit Neptun den Parklatz[4] Dreifaltigkeitskirche: Klosterkirche der Franziskaner, 1254 errichtet, mehrfach gotisch verändert, spätgotisches Mönchsgestühl, Grablegungsgruppe aus Sandstein, geschnitzter Flügelaltar. Wegen dem dürren Kirchturm wird sie auch "Dürrer Mönch" genannt.
Nördlich davon die Verrätergasse, die ihren Namen vom Tuchmacheraufstand 1527 hat.
Der nahe Georgsbrunnen mit einer Plastik aus Sandstein (zweiten Hälfte 17. Jh.), gehörte zur Wasserversorgung.
Görlitzer  Kaisertrutz [7] Kaisertrutz: Rundbau von 1490, beherbergt die Städtischen Kunstsammlungen mit einer Galerie deutscher Meister vom 18. bis 20. Jh., Stadtgeschichtliche Sammlung. Nordöstlich davon der Reichenbacher Turm, der wohl schönste Turm der Stadt, heute Ausstellung über die Stadtverteidigung im Mittelalter und aufsässigen Bürgern wehrend:
[6] Dicker Turm (1250), an der Fassade Stadtwappen mit Reichsadler und Löwe
Frauenturm Görlitz[5] Die Frauenkirche (1459/94) ist spätgotisch, die Barockhaube erhielt sie 1735, Westportal mit Figuren. Nördlich davon das Jugendstilkaufhaus, heute Karstadt, 1913 erbaut, Lichthof. [8] Nikolaiturm: Rundturm, sieben Geschosse, 14. Jh., etwas nördlich davon die : älteste Kirche der Stadt, die Nikolaikirche. Baubeginn wohl um 1150, heutespätgotische Hallenkirche, 1520 fertiggestellt, Südportal, Holzdecke, Gewölbe von 1925 gotisierend umgebaut.

- Eck-Kaufhaus am (1913), Jugendstil
- Reichenbacher Turm (1458)
- Rathausturm im Osten

[9] Peterskirche: Baubeginn 1230, heute überwiegend gotische Hallenkirche mit Sternrippengewölbe, Türme neugotisch vom Ende des 19. Jh. Gleich südlich davon das Waid- oder Reuthaus, ältestes Gebäude der Stadt (13. Jh.).

Brüderstraße nahe Obermarkt in Richtung Ufer führend, mit ganz bemerkenswerten Renaissance- und Barockhäusern, darunter das älteste ostdeutsche Bürgerhaus der Renaissance (1526).
Die 
vielen schönen Plätze und versteckte Höfe überraschen immer wieder.


außerhalb vom Zentrums:
- Stadthalle am Stadtpark, Jugendstil (1908), von B. Sehring
- Neiße-Viadukt: Eisenbahnbrücke, 1847 fertiggestellt, 475 m lang, 35 m hoch, 32 Rundbögen
- Museum für Naturkunde, Am Museum 1: Tierwelt der Oberlausitz

Veranstaltungen
Niederschlesische Kulturtage: Ende September

gewusst: BIB - Bildungszentrum für informationsverarbeitende Berufe, DER IT-Ausbilder

persönlich
Jakob Böhme - Naturphilosoph, Schuhmacher und vor allem Mystiker. Der Nikolaifriedhof behütet einige barocke Grabmäler, eines davon Böhme

Stadtteile/Eigemeindungen:

Durch die Großplatten im Norden wurde einst die Innenstadt entvölkert um ca. 16.000 Bewohner. Bis 1980 entstand das Neubaugebiet Weinhübel (Südstadt). Dazu verließen in den 5 Jahren vor der Wende 4.500 Görlitzer Stadt und Land. Der Aderlass hält an. Trotzdem entstand inzwischen ein kleineres Gewerbegebiet. Und bei aller Sanierung wurde auch nach 1990 neu gebaut, in Klingewalde beispielsweise.
Karte der Stadtteile von Görlitz in Sachsen
Girbigsdorf (?)
Biesnitz Ober-Neundorf
Ludwigsdorf Klingewalde Königshufen Marienaue Nikolaivorstadt
Rauschwalde Schlauroth Weinhübel Kunnerwitz
Deutsch Ossig
Klein Neundorf
Hagenwerder Tauchritz