anmutig verkalkte Stadt mit 30.300 EW (2004) auf 76,03 km² in 104m ü.NN.; 31.400 EW (2002); 35.000 EW (1980); im reizvoll sich hier erweiternden Saaletal auf sicherer Terrasse vor steilen Muschelkalk-Talflanken mit Zugang zum Unstruttal;
Gründung einer "Nuwen burc" 1028(?) der Markgrafen von Meißen, und Entwicklung einer Marktsiedlung.
1144 Stadtrecht
Ende des 13. Jh. wurde zum ersten Mal eine Peter-Pauls-Messe erwähnt, wahrscheinlich damals im mittleren Deutschland die größte. Sie brachte Wohlstand, der sicher zum Bau des Peter-Pauls-Dom ab 1210-15. Jh. ambitionierte.
N. war als Handelsstadt bis ins 16. Jh. hinein bedeutender als Leipzig! 1507
gingen die Messerechte an Leipzig über. Nach der Reformation war N. auch nicht
mehr Bischofssitz, verlor an Bedeutung.
Auch das 19. Jh. brachte für die Beamten- und Garnisonstadt kaum Besserung. Von der Industrialisierung blieb sie weitgehend verschont.
Naumburg hat sich zum Fremdenverkehrszentrum gemausert - nicht zuletzt wegen des Weines, der an den Buntsandsteinhängen wächst. Ruhm aber verdankt es seinem unbekannten Naumburger Meister.
Der mittelalterlicher Grundriss der Bürgerstadt ist noch gut ablesbar. Die profane Bausubstanz ist weitgehend ab Renaissance bis Barock anzusiedeln.

[H] Holzmarkt: ursprünglich Trocknungsplatz für das auf der Saale geflte Thüringer Holz. Im Norden die Alte Post, Renaissance, schöner Erker, früher berühmtes Gasthaus. Daneben Haus "Zu den drei Schwanen".
[M] Markt: bemerkenswertes Ensemble aus Bürgerhäusern mit vieletagigen Dachgeschossen (Speicher)
[R] Rathaus (1528) aus drei Einzelgebäuden zusammengesetzt, mit Renaissanceportal 1612, Ratskeller Gewölbe (14.Jh.)
[1] Schlösschen (Nr. 6), verschiedene Baustile, Haubenportal von 1612, Holztreppe von 1556
[2] Haus Zur hohen Lilie (Nr. 28), spätgotisch, Stufengiebel
[3] Residenz (Nr. 7), Spätrenaissance, fürstliches Gästehaus, später Gerichtsgebäude.
[4] Wenzelskirche: im Süden des Marktes, spätgotische Hallenkirche, Langhaus extrem kurz, Turm 67m hoch. Inneres barock umgestaltet, bemerkenswert Hochaltar, Kanzel und Hildebrand-Orgel (um 1745).
[5] Marientor (1456) das ist neben einigen Mauerresten alles was von der Stadtbefestigung erhalten blieb.
[6] Landskrone mit Stadtmauerrest, gegenüber Friedrich-Nietzsche-Haus.
[7] Wasserkunst (1488), einst Turm der inneren Stadtmauer, Ende 17. Jh. zum Wasserturm umgebaut.
[8] Salztorhäuser: klassizistische Wache mit Zollhaus, daneben Präsidentenhaus von 1829.
[7] Peter-und-Paul-Kirche
[8] Othmarskirche: barock, 1699 fertiggestellt, heute Theologische Bibliothek
[9] Dom St. Peter und Paul: spätromanisch-gotisch, mit einem ausgewachsenen Ochsen auf dem Dach. An den vier Türmen wurde insgesamt rund 500 Jahre gebaut, Hauben barock oder aus dem 19. Jh.; zwei Chöre, am westlichen Lettner mit Passionsreliefs. Am Westchor die zwölf Stifterfiguren des Naumburger Meisters, darunter Ekkehard und die schönste Uta, Reglindis und Hermann. Glasmalereien aus dem 14. und 15. Jh. in den beiden Chören, Flügelaltar, Chorgestühl, Kruzifix, Grabdenkmäler. Kreuzgang (13. Jh.) mit Klausurgebäude, ferner Dreikönigskapelle von 1416.

weiterhin u.a.:
[10] Ägidienkurie bzw. Bischofskurie (1505), zweistöckig, Renaissance mit zwei Stufengiebeln, spätromanische Kapelle (13.Jh).
[11] Marien-Magdalenen-Kirche: barocke Saalkirche, 18. Jh., im Innern monumentales Gemälde mit Darstellung des Jüngsten Gerichts.
museal
Museum der Stadt Naumburg, Grochlitzer Straße 49-51: klassizistisches
Wohnhaus, Stadtgeschichte mit sehenswerten Stücken.
ruhig
Stadtpark nördlich der Altstadt. Veranstaltungen
Taubenmarkt: Januar und Februar, Samstag
Kirschfest: Ende Juni, Festumzug, Jahrmarkt
Naumburger Weinfest: letztes Wochenende im August.
OT Kleinjena und das noch kleinere Großjena:
- Max-Klinger-Gedenkstätte in ehemaligem Wohnhaus
- Steinernes Bilderbuch (1722);
12 in Felsen (Buntsandstein) gehauene Reliefs zu sehen an einem Weinberg kurz
vor der Unstrutmündung in die Saale. Juwelier Johann Christian Steinauer
wollte damit Herzog Christian II. von Sachsen-Weißenfels zu weiteren
Aufträgen ermutigen, obwohl und gerade weil der knapp bei Kasse war.
Ein gigantisch nachhaltiger Eingriff in die Natur, den er sich per Stiftung
finanzieren ließ. Der künstlerische Wert hält sich in Grenzen,
obwohl die Thematik von Moses und Wein bis zur Gottgefälligkeit und Homage
an den Herzog weit reicht - zu weit? Viele der 12 Reliefs tragen das Datum
des 17. März 1722, obwohl einige davon erst Jahre später entstanden.
Als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme allerdings bestens geeignet, muss doch
das leicht verwitternde Buch durch adäquate Fachgremien öfter saniert
werden. Der Weinberg ist zum Glück nicht aus Granit.