Mainz - Landeshauptstadt mit bravem Karneval

größte Stadt des Bundeslandes Rheinland-Pfalz mit rund 191.000 EW (2005) in 85 m (Rhein) bis 285 m (Ebersheim) über NN.; gegenüber der Mündung des Main am linken Rheinufer gelegen; Im Südwesten wird die Stadt von der rheinhessischen Hochfläche berührt, im Norden dehnt sich niederes Ufervorland.

Grabungsfunde (1921) belegten hier eine Raststätte eiszeitlicher Jäger. Als die Römen 13/12 v.d.Z. durch Nero Claudius Drusus in die Gegend drangen, trafen sie auf die bereits ansässigen Kelten, die den Gott Mogon anbeteten. Folglich nannten sie ihr gegründetes Kastell Mogontiacum, woraus über Umwege Mentze und ab 16. Jh. Mainz wurde. Die Stadt gehörte über 500 Jahre zum Römischen Reich und war ab dem Jahr 89 Hauptstadt der Provinz Germania Superior. Die Römersteine und das Römisches Theater Mainz sind auffallende Zeugnisse dieser Zeit.
Nach dem Ende der römischen Herrschaft wurde vor allem der Raum zwischen dem alten Römerlager und dem Rhein besiedelt.

mittelalterlich Blütezeit und Fall

Mainz gelangte früh unter dem Einfluss des Christentums - erster nachweisbarer Bischof war Mar(t)inus (343). Dazu die Funktion des Ortes als Umschlagplatz für Handelsgüter aller Art beschleunigte die Stadtentwicklung in jeder Hinsicht. Deren Potentaten erhielten weitreichende Machtbefugnisse. Ab 754 wurde von Mainz aus durch Erzbischof Bonifatius aktiv die Christianisierung (sprich: Unterwerfung) des Ostens, vor allem der Sachsen betrieben. Erzbischof Willigis (975 - 1011) ließ den Mainzer Dom als Zeichen seiner Macht errichten und war zeitweise Reichsverweser und damit bestimmender Mann im Reich. Friedrich Barbarossa lud 1184 und 1188 die Elite des Reiches zu einem Hoftag nach Mainz, 1212 wurde im Dom Stauferkaiser Friedrich II. zum König, der dann 1235 in Mainz einen Reichstag abhielt, auf dem der Mainzer Landfriede erlassen. 1244 wurde durch das Freiheitsprivileg von Erzbischof Siegfried III. Mainz zu Freien Stadt und blieb es bis 1462. Handel und Gewerbe florierten in dieser Zeit. Bis sich Erzbischofs Diether von Isenburg sowohl bei Kaiser als auch beim Papst unbeliebt machte - bestimmt ging es wie üblich um Macht und Geld.
Da nahm 1462 der Nassauer (Adolf II.) die Stadt und deren Privilegien. Mainz so langsam zur Adelsmetropole ohne eigene politische Bedeutung.
Die mittelalterliche Stadtbefestigung war ab der Mitte des 16. Jh. mehr und mehr zur Festung ausgebaut. Trotzdem wurde Mainz im 30-jährigen Krieg von der schwedischen Armee kampflos eingenommen. Maßgeblich zur Beendigung des Krieges trug Johann Philipp von Schönborn bei, der 1647 Erzbischof von Mainz wurde.

Pracht kontra Gleichheit

Mit der Amtszeit des Kurfürsten Emmerich Joseph von Breidbach zu Bürresheim (1763 - 1774) erhielt die Aufklärung auch auf politischer Ebene Einzug in die Stadt des Adels. Die Ideen der Aufklärung führten in Frankreich schließlich zur Revolution. Der Mainzer Kurfürst und Erzbischof Friedrich Karl Joseph von Erthal unterstützte den harten Kurs des Reiches gegenüber den Revolutionären. Doch nachdem Frankreich in den Koalitionskriegen 1792 die linksrheinischen Gebiete des Reiches einschließlich Mainz erobert hatte musste er aus der Stadt fliehen. In Mainz fanden auf Veranlassung der Besatzungsmacht 1793 die ersten freien Wahlen statt. Diese Mainzer Republik gilt als erste Demokratie auf deutschen Boden. Doch schon im Juli zogen die Franzosen nach preussischer Belagerung und Beschießung der Stadt wieder ab. Die Mainzer Republik war damit nach kurzer Zeit Geschichte.

Wege zum heutige Mainz

Die Koalitionskriege führten 1797 zur nächsten Besetzung der Stadt. Der Adel verschwand aus Mainz und ließ die Stadt bürgerlich werden. Mainz wurde Hauptstadt des französischen Départements du Mont-Tonnerre (Donnersberg). Die kurfürstlich-erzbischöfliche Zeit war vorbei. Die seit 1816 zum Großherzogtum Hessen-Darmstadt gehörende Stadt provinzalisierte nun heftig.
Das schnelleres Wachstum der Stadt ab Ende 19. Jh. bis Anfang 20. Jh. war neben Eingemeindungen auch dem Bedeutungsverlust der Festung zu danken, die nach dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71 nach und nach abgerissen wurde und damit eine Erweiterung erleichterte. Mit dem Bau der Neustadt um 1900 (Stadtbaumeister Eduard Kreyssig) verdoppelte sich die Stadtfläche, und die provinziell geprägten Festungsstadt wuchs 1908 mit über 100.000 EW zur Großstadt. Der leichte Aufschwung verflog rasch, auch die Goldenen Zwanziger waren hier wenig goldig - französische Besatzungszeit bis 1930. 1933 demonstrierten mehr Menschen gegen das neue nationalsozialistische System als dafür. Doch nach der Machtergreifung wurde alles gleich geschaltet mit den bekannten Ergebnissen.

Nach dem Krieg wurde Mainz erneut von den Franzosen besetzt. Dann wurde Mainz Hauptstadt des neu gegründeten Landes Rheinland-Pfalz. Das rechtsrheinische Mainz-Kastell zählt heute zu Wiesbaden. Die Provinzialisierung war aufgehoben.

Von der im Zweiten Weltkrieg zu 80% zertrümmerten Stadt wurden nur die wichtigsten Gebäude wieder errichtet. Aus der Gründerzeit und danach blieben fast ausschließlich Wohnhäuser erhalten. Nachfolgebauten wie auch viele Wohnsiedlungen im Umkreis der Stadt sind stark vom Stil der 1960er Jahre geprägt. Häufig anzutreffen ist ein buntes Durcheinander von Modern und Alt.
Mainz ist bis in die Aussenbezirken zunehmend großstädtisch geprägt. Die Altstadt trägt mit einigen verwinkelten Straßen noch einen Hauch von Mittelalter, da finden sich auch noch - südwestlich vom Dom - Fachwerkhäuser. Insgesamt wurde beim Neuaufbau eine modernere Straßenführung und Infrastruktur favorisiert.

sehenswerte Innenstadt:
[M] Marktplatz: restaurierte alte Häuser, Marktbrunnen (1526), gestiftet von Erzbischof Albrecht, gehört zu den prächtigsten Renaissancebrunnen Deutschlands.
[m] Gutenbergmuseum: teilweise im Bau Zum römischen Kaiser (um 1660)
Mainz - Sehenswürdugkeiten in der Innenstadt

[1] Dom St. Martin: bedeutendes Bauwerk der Romanik, das Erzbischof Willigis zwischen 975 und 1009 errichten ließ. Er brannte bereits am Tag seiner Weihe, dann 1081 und wieder 1137, wurde jeweils neu und größer aufgebaut in Stilmix verschiedener romanischen Bauepochen, 1239 romanischen Stil vollendet. Vierungsturm und die flankierenden Türme wurden dann (1767) in neugotischem Stil errichet. Reiche Innenausstattung, zahlreiche Grabdenkmäler, Bassenheimer Altar, Reliquienschrein in der Krypta, Chorgesthül des Rokoko.
südwestlich vom Dom die Altstadt mit Fachwerkbauten.


[2] Johanniskirche: hochgotisch
[3] Augustinerkirche: Barock bis Rokoko
[4] Holzhof
[5] St. Stephan, von Willigis gegründet, bald durch eine gotische Hallenkirche ersetzt, im Ostchor Glasfenster von Marc Chagall
[6] Sektkellerei Kupferberg
[7] Dalberger Hof
[8] Eltzer Hof
[9] Kurfürstliches Schloss: späte Renaissance, im 18. Jh. neuer Flügel. Im Ostflügel das Römisch-Germanische Zentralmuseum mit wichtigen Funden, Vorgeschichte, Zeit der Römer, Frühmittelalter.
[10] St. Peter: barock
[11] Karmeliterkirche, gotisch
[12] St. Quintin: gotische Hallenkirche, Inneres Barock und Rokoko.
Wohnbauten im Zentrum: Osteiner Hof, Bassenheimer Hof, Knebelscher Hof.

prägend für das Rheinpanorama:
Deutschordenshaus, barock (heute Landtag), Neues Zeughaus (heute Staatskanzlei)
Rathaus mit Hilton-Hotel und Rheingoldhalle aus der Moderne

Domus Universitatis (1615, Spätrenaisssance) nähe Gutenbergplatzes war für Jahrhunderte höchster Profanbau der Stadt.
Adelspaläste:
Am Schillerplatz, an der Großen Bleiche, in der Klarastraße sowie am Rhein finden sich heute noch ansehnliche Adelspaläste in Barock und Rokoko, die zum großen Teil nach dem 2. Weltkrieg wieder erneuert werden mussten.
Zitadelle - mit barockem Palais des Festungskommandanten und Blick auf die Mainzer Altstadt;

mittelalterlichen Stadtbefestigung: Am Rhein erheben sich Holztor und Eisenturm. Im Holzturm war Schinderhannes eingekerkert. Fort Malakoff im Stadtsüden war ein weiterer Festungsbau. Auch das alte Proviant-Magazin in der Schillerstraße gehörte mit zur Festung. Theater (1829/33, Georg Moller), in dem erstmals das Halbrund des Zuschauerraums nach außen hin dargestellt wurde. Bis dahin wurde im ehemaligen kurfürstlichen Marstall gespielt.

gasthöfisch:
Mainz hat viele interessante Höfe aufzuweisen: den Bassenheimer, Erthaler, Dalberger, Eltzer, Osteiner und den Schönborner Hof (Renaissance) am Schillerplatz, heute Sitz des Institut Francais.
Der Frankfurter Hof, ehemals Bierhaus, wurde bereits Anfang 19. Jh. als Festsaal erwähnt. Ab 1842 fanden hier erste Fastnachtssitzungen der gerade 1837 in Mainz entstehenden Fastnacht statt. Während der Revolution von 1848 trafen sich hier die Demokraten der Stadt und bereiteten die Wahlen zur Nationalversammlung vor. Danach wurde der Hof mehrmals Schauplatz kirchlicher Veranstaltungen. 1944 wurde hier Filme gezeigt. 1972 kaufte die Stadt das Gebäude. Seit 1991 dient es als Kulturzentrum.
wirtschaftlich:

Industrielle Ansiedelungen finden sich vor allem zwischen der Innenstadt und dem Stadtteil Mombach - Erdal, Schott AG, IBM Werk für Speichersysteme.
Stadtteil Finthen liegt ein ganzjährig geöffneten Verkehrslandeplatz

event

museal:

Gutenberg-Museum, Geschichte des Buchdrucks, Gutenbergs Werkstatt und berühmte Bibel
Mittelrheinisches Landesmuseum, große Bleiche 49-51, barocker Marstall
Museum für antike Schifffahrt
Naturhistorisches Museum Mainz
Römisch-Germanisches Zentralmuseum, Römisches Isis- und Mater Magna-Heiligtum
Stadthistorisches Museum
Mainzer Fastnachtsmuseum

natürlich:

Lennebergwald, Naturschutzgebiet Mainzer Sand, Stadtpark

univers:

1946 wurde die 1798 aufgehobene Universität als Johannes Gutenberg-Universität Mainz wieder errichtet.
Die Medizinische Fakultät mit Universitätsklinik ist die einzige Studienmöglichkeit für Medizin in Rheinland-Pfalz.

fachlich:

Fachhochschule Mainz, gegründet 1971 als Teil der Fachhochschule Rheinland-Pfalz mit mehreren Standorten. Vorgängereinrichtungen waren unter anderem Bildungseinrichtungen für Bauingenieure, Kunsthandwerker und Künstler. 1996 wurde sie als eigenständige Fachhochschule mit drei Fachbereichen neu gegründet (Architektur, Bauingenieurwesen, Geoinformatik und Vermessung; Gestaltung; Wirtschaftswissenschaften)., Katholische Fachhochschule für Sozialarbeit, Sozialpädagogik und Praktische Theologie Mainz; gegründet 1971 von den Bistümern Mainz, Fulda, Speyer, Trier und Köln., Max-Planck-Institut für Chemie (Otto-Hahn-Institut), Max-Planck-Institut für Polymerforschung, Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Volkshochschule Mainz; betreibt u.a. die Volkssternwarte Mainz auf dem 45 m hohen Turm der Anne-Frank-Schule

jüdisch

Für die These, die Juden seien mit den Römern nach Mainz gekommen, spricht sehr viel, ein Beweis ist jedoch bisher nicht gelungen. Die erste sichere Aufzeichnung stammt aus der zweiten Hälfte des 10. Jh. und ist eine hebräische Überlieferung rabbinischer Rechtsgutachten, die sich mit einer bereits blühenden jüdischen Gemeinde befassen. Indikator für die Entwicklung war wohl der Status der Stadt als wichtiger Handelsort der damaligen Zeit. Bedeutend war auch das Wirken Gerschom ben Jehudad, welcher einer der wichtigsten Gelehrten jener Zeit überhaupt war. Auf dem jüdischen Friedhof vom Mainz finden sich Grabsteine aus dem 11. Jh.. Die Gemeinde wurde mehrmals (siehe oben) durch Pogrome während der Zeit der Kreuzzüge und der Pestepidemien dezimiert. Vor 1933 hatte die Gemeinde bis zu 3000 Mitglieder. Sie wurde fast vollständig deportiert. 1946 zählte die Gemeinde noch 59.

Stadtteile/Ortsbezirke:
Mainz Ortsbezirke

Altstadt mit Selenhofen (13.Jh.), Bretzenheim (1930), Drais (1969) , Ebersheim (1969) , Finthen(1969) , Gonsenheim (1938), Hartenberg-Münchfeld, Hechtsheim (1969), Laubenheim (1969), Layenhof, Lerchenberg (1962 neu), Marienborn (1969), Mombach (1907), Neustadt, Oberstadt, Weisenau (1930);
Die eingemeindeten Orte Zahlbach (1805?), Kastel(1908), Amöneburg (1908), Kostheim (1913), Bischofsheim (1930) und Ginsheim-Gustavsburg (1930) gingen mit in die Ortsbezirke ein.

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