Wegkreuze und Bildstöcke markieren hier wie an anderen Straßen des westlichen Münsterlandes alte Wallfahrtswege - Zeichen der tief eingewurzelten Gläubigkeit der Bevölkerung an einer einst politischen und religiösen heißen Nahtstelle, wo doch das Völkchen der Niederländer um seine Unabhängigkeit kämpfte. Noch heute fesselnd, was der Historiker Friedrich Schiller dazu notierte.

Ahaus

Stadt mit 38.066 EW (2003) auf 151,22 km² in 36 bis 70 m ü. NN. inmitten einer reizvollen Park und Heidelandschaft mit mehreren Naturschutzgebieten. Die Dörfer Alstätte, Graes, Ottenstein, Wessum wurden 1975 eingemeindet, Wüllen bereits 1969.
Um 1030 erste schriftliche Erwähnung eines Adelssitzes als Haus an der Aa; Anfang 14. Jh. Stadtrechte. Die so genannte Herrschaft Ahaus fiel 1406 an die Fürstbischöfe von Münster.
1653 Gründung der ersten deutsche Fayence-Manufaktur in Ahaus auf Veranlassung des Fürstbischofs von Münster Christoph Bernhard von Galen, die allerdings bereits 1657 wieder geschlossen wurde. 1881 Gründung einer Zündwarenfabrik. Zwei Jahre später wurde die Westfälische Jutespinnerei und Weberei gegründet.
wenig erbaulich:
Ein Stadtbrand, der am 13. Oktober 1863 die Stadt fast völlig zerstörte.
erbaulicher:
Wasserschloss Ahaus; 1688 Abriss der alten Burg und Neubau als barockes dreiflügliges Wasserschlosses aus rotem Backstein nach den Plänen des Ambrosius von Oelde bis 1697(?). Die Gesamtanlage mit Gartenareal war 1718 fertig. Modernisierung des Schlosses 1763/67 unter Leitung von Johann Conrad Schlaun, dabei neu der gartenseitige Mittelrisalit und die Gartentreppe. Zerstörung durch einen Bombenangriff, 1949 Neuaufbau; anschauliches Torhausmuseum zu Stadtgeschichtet.
Nur wenige Schritte entfernt steht die moderne Stadtkirche St. Marien - mit dem imposanten Zyklus der von Meistermann geschaffenen Fenster und dem von ihm gemalten Kreuzweg ist sie unbedingt sehenswert. Sie wurde dem von Kriegszerstörungen verschonten 68 m hohen Glockenturm angegliedert.
bekannt:
Brennelementezwischenlager und damit verbundenen Castortransporte.
berüchtigt:
1944 wurde in der Jutespinnerei am Ort das "Arbeitszuchtlager für deutsche Bummelantinnen (AZL)" eingerichtet, in dem unter KZ-Bedingungen 627 Frauen ausgebeutet wurden.
Wessum - typisch münsterländsches Dorf, in dem man sich noch Holzschuhe nach Maß anfertigen lassen kann, die nicht nur zum Ansehen taugen.
Ottensteiner Wacholderheide - eiszeitliche, bis zu 3 m hohe Sanddünen mit schlank aufragenden, würzig duftenden Wacholderbüschen, Ginster und Besenheide

Gescher

Glockenstadt mit 17.019 EW (2004) auf 80,78 km²; Stadtgründung 1969 durch Zusammenschluss der Gemeinden Büren, Ester, Gescher, Harwick, Tungerloh-Capellen und Tungerloh-Pröbsting.
Um 1000 Gründung einer Pfarrei Gaschare und Bau einer Kirche durch das Stift Borghorst, aus der sich eine dörfliche Siedlung am Fluss Berkel entwickelte.
Seit Anfang 19. Jh. bedeutende Glockengießerei, die noch produziert. Naheliegend das Glockenmuseum (1980) mit Glocken vom 12. bis 17. Jh. und Darstellung verschiedener Arbeitsgänge des Glockengießens. Es sollte aber nicht das einzige dieser Art in Deutschland sein, wie hier gern behauptet wird (?).
außerdem Imkereimuseum

Gronau

Stadt mit rund 46.600 EW (2009)
originelles Rock- und Popmuseum;
etwas nördlich an den Ausläufern des Teutoburger Waldes liegt Schloss Bentheim, eine Höhenburg und größte Burganlage weit und breit, umgeben von munteren Dorfhäuschen.

Heek

Heiligt der Zweck tatsächlich die Mittel? Nach Eiferern wie Ludgerus sollte es statt Eichen nur Heilige geben.
Interessant: OT Nienborg mit Burg und zahlreichen stattlichen Burgmannshöfen und der Keppelburg
sagenhaft:
Die St.-Ludgenis-Kirche ist angeblich an der Stelle erbaut worden, wo der hl. Ludgerus um 800 eine Eiche gefällt haben soll. Was natürlich den Eiheimischen weit unter die Borke ging. Auch der Ludgerusbrunnen und die Ludgeruslinde halten die Erinnerung an den Ortsheiligen lebendig.
Reizvoll in einer Windung der Dinkel liegt der Ortsteil Nienborg. In der gleichnamigen Burg, umgeben von prächtigen alten Bäumen, hat die Landesmusikakademie ihren Sitz. Sehenswert sind auch die stattlichen alten Burgmannshöfe wie Hohes Haus, Langes Haus und die Keppelburg mitten im Ort.

Isselburg

an der holländischen Grenze; Wasserschloss Anholt, anmutig im schönen See, Porzellansammlung, Gemäldegalerie;
Anholter Schweiz

Legden

historischer Stadtkern mit beachtlichen Patrizierhäusern - van Hülst und Haus Weßling (heuteStandesamt); Brunnen mit originellen Bronzefiguren
erleuchtend:
romanische Pfarrkirche St. Brigida mit dem ältesten erhaltene Buntglas-Brandfenster (1230/40) im nordwestdeutschen Raumes. Wenn die Sonnenstrahlen auf das Fenster treffen, scheinen die Glasflächen aufzuflammen. Das so genannte Wurzel-Jesse-Fenster stellt den Stammbaum Jesu dar
überwältigende Dalienpracht im Spätsommer rundum bis in die Felder!
natürlich:
südöstlich 3,5 km an B474 - Naturdenkmal Holtwicker Ei; Der 2,50m über den Boden ragende ovale Granitstein wurde vor rund 240 000 Jahren von den Gletschern der Saaleeiszeit aus Südschweden bis an diese Stelle verfrachtet. Er gilt als drittgrößter Findling im Münsterland.

Raesfeld

Stadt mit rund .000 EW (2007) auf km² in m ü.NN..
prächtige Schlossanlage mit Vorburg, Kirche mit zugehöriger Wohnbebauung mit versteinertem Trompetenstoß (Turm), lebenden Pfauen und ächzenden Sandsteinfiguren (Putten) im Park;
Tierpark
Dorf Erle mit Windmühle; Kornbrennerei und etwa 1500 Jahre alter Femeiche - im Namen des Kaisers. Und anderer.

Rhede

Stadt mit 18.953 (2003) auf 78,65 km² auf 32 m ü. NN;
Schloss Rhede

Schöppingen

Gemeinde mit 8.142 EW (2003) auf 68 km² mit Eggerode, Gemen und Dorf Eggerode (1969) und Schaf im Wappen! gab es wohl schon um 850, Renaissance-Rathaus (1583) mit rotweißen Fensterläden; Pfarrkirche St. Bricticus mit Flügelalter des Meisters von Schöppingen;
Künstlerdorf mit 2 denkmalgeschützten Schulzenhöfen aus dem 19. Jh., Scheune und Torhaus für Maler und Bildhauer mit Verkauf

Südlohn

Gemeinde mit 8.901 EW (2003) auf 46 km² mit der von Wald durchsetzte Landschaft der Lohner Heide und Ortsteil Oeding sowie den Höfen Pingelerhook, Trimbach, Brink, Horst und Venn; gelegen südlich von Stadtlohn an der ausgestülpten niederländischen Grenze
Pfarre Lon wird 1231 erstmals urkundlich erwähnt, ihre Geschichte dürfte aber wenigstens bis ins 12. Jh. zurückreichen.
Neben den beiden Bistümern Münster und Utrecht waren wohl auch die Edelleute von Lon (Loen, Lohn; ausgestorben 1316 ) an der Gründung beteiligt.
Nachdem sich um die Kirche Bauern ansiedelten, gesellten sich auch bald Kleinhändlern und Handwerker hinzu. 1597 wurde der Ort mit einem Schutzwall und Graben befestigt. Die Gegenfinanzierung erfolgte nicht etwa durch Erhöhung der Mehrwertsteuer sondern per Verleihung von Marktrechten durch Fürstbischof Ferdinand 1. (1617). Seitdem galt Südlohn als "Minderstadt".
erbaulich:
Turmwindmühle Menke, hölzernes Wahrzeichen, stark an Mühlen der nahen Niederlanden erinnernd;
Herrenhaus Lohn in der kleinen Burgsiedlung mit Kapelle (1765?) in der Bauernschaft Nichtern (OT Südlohn);
Burgturm im OT Oeding und die vielen kleinen aber feinen Einzelheiten;
hölzerne Pfarrkirche St. Vitus mit den umfangreichsten Gewölbemalereien des Münsterlandes. Die zauberhaften Ranken und figürlichen Darstellungen aus dem Jahr 1520 waren übertüncht und erst 1961 wieder entdeckt und frei gelegt worde.

Velen

am Thesingbach hat viele schöne Fußgängerzonen, gesäumt von münsterländer Backsteinhäusern;
zentral gelegen eine typisch mittelalterliche Verteidigungsanlage des Münsterlandes, ursprünglich von breiten Wassergräben umgeben und über Zugbrücke erreichbarer Adelssitz - die Wasserburg Velen (14. Jh.), heute Hotel SportSchloss, mit ansehnlichem, frei zugänglichen Park und Schlossmühle; Tierpark

Vreden

Stadt mit 22.800 EW (2008) am Flüsschen Berkel, zu der auch die typisch münsterländische Bauernschaften Ameloe und Crosewick mit weit verstreuten Höfen gehören;
im Stadtpark befindet sich eine historische westmünsterländische Hofanlage und das Bauernhausmuseum mit 11 aus der Umgebung hierher versetzten Originalgebäuden, die ein lebendiges Bild vergangener bäuerlicher Kultur und Lebensweise vermitteln: Wohnhaus, Speicher, Remise, Pfeilerscheune, Backspeicher, Schafstall und Flachsofen werden durch Vorführungen überlieferten Brauchtums mit Leben erfüllt.
Stiftskirche St. Felicitas (II. Jh.) mit prächtig spätromanischem Stufenportal, stilreiner romanischer Hallenkrypta, kostbarem Hungertuch (Flamenturch) und eine bunt bemalte geschnitzte Figur, die einen Flamen in Tracht darstellt, der oben auf einer Leiter stehend Christus ans Kreuz schlägt. Das Kunstwerk symbolisiert eindeutig den einstigen Konflikt der Einheimischen mit den damals ungeliebten Nachbarn.

Vreden - Zwillbrocker KircheGanz anders die Pfarrkirche St. Franziskus am Ortsende von Zwillbrock, unmittelbar an der niederländischen Grenze. Schlicht wie die meisten niederländischen Kirchen, überrascht sie mit üppig barocker Innenausstattung: Außer dem Hochaltar und den Nebenaltären mit ihren gedrehten vergoldeten Säulen und den bunten Figuren, der prächtigen Kanzel, den Beichtstühlen und der Orgel sind auch mehrere niederrheinische Holzplastiken zu bewundern.

mail oder email

weiter im Kreis: Heiden Reken Stadtlohn
nach oben