Bonn - Stadt am romantischen Mittelrhein

301.000 EW (2002) auf 141,22 km²

kurz vor der Zeitenwende wohl von den germanischen Ubiern bevorzugter Siedlungsfleck. Der Name Bonn ist wahrscheinlich keltischen Ursprungs und wurde von den Römern übernommen. So datiert eine erste schriftliche Erwähnung aus 13 - 9 v.d.Z. durch den römischen Schriftsteller Florus, wonach eine Rheinbrücke bei "Bonna" errichtet wurde. Um diese Zeit erweiterten die Römer ihr Reich bis an den Rhein. Im Jahre 69 vermeldete der Historiker Tacitus ein römisches Legionslagers, um 450 rochierten die Römer mit den Franken. Sie übernahmen die Römerfeste und nannten sie Bonneburg. 804 wurde die südlich gelegene Siedlung "villa Basilica" erwähnt, die sich um die Jahrtausendwende zu einem neuen Siedlungskern um das Cassiusstift entwickelte, also nahe einer frühchristlichen Kultstätte, wo man auch die Gräber der Märtyrer Cassius und Florentius - Angehörige der Thebäischen Legion - vermutet. Dort steht heute der Münster.
Ein weiterer Siedlungskern bildete sich zwischen Stiftsburg und Rhein. Diese offene Marktsiedlung (oppidum) wurde 1211 erstmal offiziell erwähnt und besaß da bereits einen Markplatz.

Stadtbefestigung
Die bis dahin ungeschützte Siedlung wurde 1244 - nach zweimaliger gegnerischer Brandlegung - mit "Feuereifer" befestigt, mit Gräben und Mauern umfasst. Gleichzeitig verlieh Erzbischof Konrad von Hochstaden die Stadtfreiheit. 1288 wurde ein bürgerlicher Rat gebildet.
1642 wurde Bonn unter Kurfürst Ferdinand zur Festung umgebaut. Diese wurde 1689 durch Reichstruppen zerstört und 1715 zu Ende geschliffen.

Die Reformation hatte es hier schwer. Drei Versuche scheiterten, der letzte endete 1583/ 87 im "Truchsässischen" oder auch "Kölnischen Krieg". Gerhard Truchseß von Waldburg verlor gegen die Kurfürsten und Erzbischöfe von Köln. Der erste Wittelsbacher, Ernst von Bayern, wird Kölner Kurfürst und bringt Bonn relativ unbeschadet durch den Dreißigjährigen Krieg. Die Glanzzeit Bonns als Residenzstadt begann unter den Wittelsbachern Kurfürsten Joseph Clemens (1688 - 1723) und gipfelt mit barockem Glanz in der Regentschaft Clemens Augusts (1723 - 1761). Weniger plakativ und fast aufklärerisch war sein Nachfolger Kurfürst Max Franz, der lediglich 1786 die Bonner Universität gründete und Godesberg zum Heilbad ausbaute und so. Wo steht sein Denkmal? Was war er sonst noch für ein Mann?

1794 Besetzung durch französische Truppen. Nach dem Frieden von Campo Formino (1797) kamen linksrheinische Gebiete unter französische Herrschaft. Bonn verlor seine wichtigsten Wirtschaftsfaktoren: Residenz, Verwaltungsbehörden und Universität (1798). Die Verarmten gingen, die Armen blieben und hatten immerhin die Gleichheit gewonnen.

Nach dem Wiener Kongreß 1815 wurde Bonn preußisch, erhielt immerhin wieder eine Uni - und zwar 1818 die Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn, 1844 auch eine Bahnlinie nach Köln. Doch wo so viel Platz geschaffen wurde zum Residieren, Studieren und Handeln, pflegte man eher den behaglichen Wohnwert als wachsenden Industrielärm. Allein eine Steingutfabrik machte die innerstädtische Industrie aus, die sich stürmisch am anderen Ufer ausbreitete. Dafür kam der Fremdenverkehr immer mehr Schwung. Reiche Rentner, Privatiers und Industrielle schätzten die ruhige Atmosphäre und die landschaftliche Schönheit ringsum, hochedle Prinzen studierten hier.

1887: Bonn wird kreisfreie Stadt.
1904: Eingemeindung von Dottendorf, Kessenich, Poppelsdorf und Endenich nach Bonn.

Nach der Reichsgründung 1871 erfuhr die Städtebauliche Entwicklung Bonns enormen Auftrieb. Zahlreiche Millionäre siedelten sich an und errichteten ihre Villen. Die unter dem Berliner Stadtbaumeister Paul Richard Thomann geplante "Südstadt" wurde zum bevorzugten Wohnort des wohlhabenden Bürgertums. Durch die Neubauten der Institute nahe am Poppelsdorfer Schlosses wurde auch die Universität deutlich erweitert. Typische gründerzeitliche Häuser in der Poppelsdorfer Allee (Südstadt).

Die beiden Weltkriege brachte zahllose Opfer an Unschuldigen, ebenso viele an Mitschuldigen, Schuldgefühle oder Ignoranz der Nachfahren und wenig demokratische Konsequenz. Zu beruhigend, sich an der Seite der Siegreichen zu wähnen, die Gott, Weisheit und Gerechtigkeit für sich gepachtet haben wollen. Schritte ins Verderben beginnen selten mit großen Sprüngen. Und Geschichte hat neben der menschlichen auch eine fast phsikalische Komponente: Jede Wirkung erzielt eine Gegenwirkung. Da helfen keine einseitigen Betrachtungen. Und der Brand von Synagogen ist wie die Zerstörung der Bonner Innenstadt und Teilen Beuels 1944/45 nur eine "bauliche" Komponente.
Als Hauptstadt der jungen Bundesrepublik Deutschland ab 1949 steht Bonn auch für ein Kapitel deutscher Geschichte, die öfter spaltete als einte. Eine tragfähige Aufbereitung deutscher Nachkriegsgeschichte kann nicht erfolgen, indem man einen Teil einseitig aufbereitet und den anderen schönt und besser vernachlässigt.
Kanzleramts, Villa Hammerschmidt, Planarsaals am Rhein - nicht gegen Bonn, sondern für Berlin als Hauptstadt und ein neues Kapitel Geschichte wurde am 20. Juni 1991 entschieden.

1969: Raumordnungsgesetz Bonn: die Städte Bonn, Bad Godesberg, Beuel sowie Teile des Amtes Duisdorf und des Siegkreises werden zur neuen Stadt Bonn zusammengeschlossen.

Die Geschichte der Stadt beginnt mit der Erwähnung eines römischen Lagers. Einen ersten Aufschwung nahm Bonn im Jahr 1601 als Residenz der Kurfürsten von Köln. Der Dreißigjährige Krieg konnte Bonn nichts anhaben. 1688 bis 1781 wurde die Stadt barock ausgebaut. Aus jener Zeit stammen zum Beispiel das Poppelsdorfer Schloss, das Alte Rathaus und die Kurfürstliche Residenz, die heute als Universität dient. Im 19. Jh. entwickelte sich die Stadt zu einem bevorzugten Ruhesitz wohlhabender Leute. So entstanden großzügige Villenviertel. 1959 wurde Bonn Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland. 1991 beschloss der Bundestag, seinen Sitz nach Berlin zu verlegen.

sehenswerte Innenstadt
Bonn, Stadtplan der Sehenswürdigkeiten in der Innenstadt[R] Altes Rathaus: aus dem Jahr 1738, mit schöner Freitreppe, am malerischen Marktplatz gelegen.
[T] Stadttheater
[m] Kunstmuseum Bonn und Kunst- und Ausstellungshalle: sehr sehenswerte moderne architektonische Gestaltung, überwiegend Kunst unseres Jahrhunderts

[1] Koblenzer Tor; Alter Zoll am Rhein
[2] Minoritenkirche St.Remigius: hochgotisch
[3] Beethovenhaus: Geburtshaus des Komponisten vom Anfang des 18. Jh., heute Museum
[4] Katholische Universitätskirche, Namen-Jesu-Krche: Ende 17. Jh., manieristisch.
[5] Universität: ehemals Kurfürstliche Residenz, 18. Jh., sptbarock.
[6] Münster St. Martin: Spätromanik, ursprüngliche Anlage von 1070, teilweise in der Krypta erhalten, Sakramentshäuschen, Reste von Wandmalereien des 13. und 14. Jh., Kreuzgang.
[7] Emst-Moritz-Arndt-Haus: Wohnhaus des Dichters und Politikers, heute Museum.
[8] Villa Hammerschmidt: Sitz des Bundespräsidenten, um 1850 im Renaissancestil errichtet.
[9] Palais Schaumburg: ehemals Residenz des Prinzen zu Schaumburg-Lippe, im Renaissancestil um 1860 erbaut, dient heute Reprsentationszwecken. Im Park Kanzlerbungalow von 1964 und Bundeskanzleramt von 1976, nahe auch das Abgeordnetenhaus von 1969 mit Bros der Abgeordneten im 112 m hohen "Langen Eugen".

weiter in der Innenstadt:
Bundeshaus: um 1930 im Bauhausstil errichtet, später erweitert und umgebaut, Plenarsaal von Gnter Behnisch (1992). Von ihm stammt auch das Design des sehenswerten Bundestagsrestaurants.

außerhalb vom Zentrum:
Wallfahrtskirche auf dem Kreuzberg, Ortsteil Poppelsdorf: 17. Jh., barock, angebaut das Haus des Pilatus mit der Heiligen Stiege
Doppelkapelle Schwarzrheindorf, Pfarrkirche St. Clemens, auf der anderen Rheinseite: schöner romanischer Bau, zweistckig mit Ober- und Unter- kirche. 46>. (D Godes- burg in Bad Godesberg: Ruine mit Bergfried, Michaelskapelle mit romanischem Chor und barockem Langhaus.

am aller sehenswertesten
sind die umtriebigen Doppelgänger des Bonner Kalkstein-Löwen auf der Säule in der Vivatsgasse und im Foyer des Rathauses. Ursprünglich lungerte er Respekt heischend auf dem Münsterplatz - ein kopflos verwitterte Tier, über einem von ihm geschlagenen Eber (?) stehend - fabelhaft! Seit 1288 geistert er im älteste Stadtsiegel herum, war sogar mal eingemauert in die Rathauswand. Ein Machtsymbol mit Kultstatus, womöglich nur Restmüll einer Römergarnison.

erbaulich:
Ernst-Moritz-Arndt-Haus (1819), einzig erhaltene Professorenhaus im gelehrigen Umfeld nahe der Universität, heute Museum mit Sonderausstellungen. Als Arndt das Grundstück erwarb, lag es umgeben von Weinbergen vor der Stadt.

Bastion Alter Zoll - 1642 als Drei-König-Bastion mit kurfürstlichem Zoll im südöstlichen Ende der Altstadt entstanden, Rest der Stadtbefestigung, mit schönenem Baumbestand und zwei napoleonischen(?) Kanonen und einem Denkmal für Ernst Moritz Arndt (1865) bestückt. Hier bietet sich einer der schönsten Ausblicke Bonns auf Rhein und Siebengebirge.

Stadtbefestigung
1245 geschaffen, nur in geringen Resten erhalten.
Das Sterntor ist ein romantischer Phantasiebau aus Resten der alten Stadtmauer, der die Monumentalität der mittelalterlichen Bonner Stadtbefestigung erahnen läßt. Als Verkehrshindernis wurde das edle Teil aus dem 13. Jh.(!) 1898 abgerissen und an anderer Stelle neben einem alten Halbturm wieder aufgebröselt. Tolle Leistung.
Das Koblenzer Tor, als Teil des Galerieflügels vom kurfürstlichen Schloss 1751/ 57errichtet, diente ursprünglich als Archiv und Versammlungsraum des Ritterordens, In den seitlichen Durchgängen befanden sich früher Wach- und Zollstuben. Auffallend sind die stark hervorgehobenen dorischen und ionischen Doppelsäulen, die in Verbindung mit der kurfürstlichen Wappenkartusche dem Tor einen besonders repräsentativen Charakter verleihen. Oberhalb befinden sich moralisierende Personifizierungen.

lehrreich:
Uni Bonn mit Botanischen Garten, im frühen 19. Jh. anstelle des kurfürstlichen Gartens angelegt, über 8.000 Pflanzenarten aus aller Welt;
FH Bonn-Rhein-Sieg

personell:
Ludwig van Beethovens 1770 in Bonn geboren; 1845 Errichtung des Beethovendenkmals und erstes Beethovenfest.

einige Stadtteile:

Bad Godesberg
Der Wuodenesberg (Wotans-Berg) war noch eine Kultstätte der germanischen Ubier, als die Römer in der Nachbarschaft ihr castra bonnensi errichteten. 1210 Bau der Godesburg durch den Kölner Erzbischof Dietrich von Hengebach, 1583 durch bayerische Truppen zerstört. Erst 1790 nach Ausbau der Mineral-Quellen und Entwicklung zum Kurort unter Kurfürst Max Franz von Habsburg-LoThüringen erlebte Godesberg eine zweite Blüte. In dieser Zeit entstand das Kurviertel mit der Redoute. Um 1900 suchten immer mehr Industrielle und Großpensionäre ein ansprechendes Notquartier und es entstand ein angemessenes Villenviertel.
Nach Eingemeindung von Vororten zwischen 1899 und 1915 wurde Godesberg ab 1926 Bad und erhielt 1935 Stadtrechte.
Nach 1945 wuchs die Zahl der Einwohner auf mehr als das Doppelte bis auf fast 70.000. Durch die Ernennung Bonns als vorläufige Bundeshauptstadt im Jahr 1949 gewann Bad Godesberg als sogenannte Diplomatenstadt und Wohnsitz zahlreicher Bundesbediensteter an Bedeutung. 1969 wurde der attraktive Wohn- und Gesundheitsstandort Stadtbezirk der Stadt Bonn.
Godesburg mit Michaelskapelle:
prächtige barocke Kapelle des Michaelsorden. Die uralte Kultstätte auf dem Bergkegel wurde mit der Zeit der Christianisierung zur Kultstätte für den heiligen Michael und erhielt eine Michaelskapelle. Diese musste 1210 dem Burgbau weichen, wurde umgesetzt, später barockisiert, 1697-99 durch ein Langhaus ergänzt, das als Oratorium des Michaelsordens prächtige Ausstattung erhieltr.
Die Godesburg wurde im frühen 13. Jh. errichtet und bald bevorzugter Aufenthaltsort der Kölner Kurfürsten. Im Truchsessischen Krieg 1583 wurde sie gesprengt, doch der Bergfried blieb erhalten. Die romantische Ruine, auf zahlreichen Gemälden der Rheinromantik festgehalten, bewätigte heute den Spakat zwischen Mittelalter und Moderne mit Burghotel, Restaurant.

Beuel

1898 erste feste Beziehung zu Bonn durch Bau der Rheinbrücke, die aber offensichtlich recht einseitig geplant war; Die Beueler waren verärgert, weil ihre Werft nicht die entsprechende Berücksichtigung fand und beteiligten sich nicht an der Finanzierung der damals größte Bogenbrücke der Welt. Deshalb erhielt der östliche Brückenpfeiler ein Brückenmännchen, das den Beuelern bis heute seinen nicht mehr originalen Arsch ("Schlotterbotz") entgegen streckt; 1952 Stadtrechte.

Oberkassel

Fund eines 14.000 Jahre alten Menschenpaares mit Hund

Poppelsdorf

Poppelsdorfer Schloss;
ehemaliges Kurfrstliches barockes Lustschloss, erste Hälfte 18. Jh., Landwirtschaftlichen Hochschule (1847 gegründet), im Zweiten Weltkrieg zerstört, wieder aufgebaut und teilweise neugestaltet. Heute Mineralogisch-petrologisches Museum der Universität. Südlich vom Schloss ein Villenviertel aus der Gründerzeit.

Schwarzrheindorf - 1151 Weihe der Doppelkirche
Venusberg - vor gut 6000 Jahren gab es schon eine befestigte Siedlung auf dem Hügel.

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