kreisfreie Stadt und Verwaltungszentrum von Ostbrandenburg mit 66.150 EW
(2004) 77.200 EW (1980), auf 147,61 km² in 40 m ü.NN. an der Grenze
zu Polen.
Handel und Wandel
Am Kreuzungspunkt und Übergang alter Handelsstraßen über
die Oder entwickelte sich aus einer Kaufmannssiedlung mit Förderung Heinrich
I. des Bärtige von Glogau 1225 eine Marktsiedlung. Nach deutschen Kaufleuten,
in jener Zeit einfach "Franken" genannt, folgten Fernhändler aus Flandern
und Friesland(?) und siedelten sich hier an. Der rasch wachsende Markt erhielt
1253 durch Markgraf Johann I. Stadtrecht.
Ab 1318 (?), spätestens 1430 bis 1518 war die Stadt Mitglied der Hanse.
Im 19. Jh. spielte die Stadt als Ausrichter bedeutender Warenmessen eine große
Rolle.
Maulschellen, Maultaschen
Dass 1326 der Wittelsbacher Kaiser Ludwig seine Ehe mit Markgräfin Margarete von Tirol (Gräfin Maultasch) löste und seinem Sohn Markgraf Ludwig zur Frau vermachte, war eben doch keine reine Familienangelegenheit und verschob die Machverhältnisse: Tirol wird bayerisch. Der Bruder des Wittelsbachers und spätere Kaiser Karl IV. ist brüskiert. Papst Johannes XXII. fühlt sich Übergangen und belegt Kaiser Ludwig und Sohn mit dem Bann. Dieser Bannstrahl trifft auch die Oderstadt, deren Untertanen aber weiter zu ihren Markgrafen stehen. Der Bischof von Lebus, Stephan II. verhandelte im Namen des Papstes mit König Wladyslaw I. von Polen (Lokietek - der Ellenlange), der sich darauf hin mit den Litauern verbündete und die Mark Brandenburg mit kriegerischen Mitteln auf Linie bringen wollte. 200 Dörfer wurden zerstört, Frankfurt zwar belagert, aber nicht eingenommen. Eine lange blutige Geschichte, die erst 1354 mit Aufhebung des päpstlichen Bannes ein Ende fand.
Europa-Universität Viadrina, EUV
Frankfurt O.
Wes Geistes Kind wohl die ersten humanistischen Vorlesungen dieser Universität waren, deren Kanzler Dietrich von Bülow zugleich Bischof von Lebus war? Jedenfalls hatte diese Uni im Gründungsjahr 1506 mehr Zulauf als jede andere deutsche. Und während Ullrich von Hutten noch dem Leipziger Theologe Wimpina (Konrad Koch aus Wimpfen) lauschte, waren Luthers Hypo-Thesen in aller Munde und viele Studenten zog es bald gen Wittenberg.
Nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges 1648 gewann die Universität wieder an Bedeutung. 250 Studenten sind in jenem Jahr immatrikuliert.
1811 erfolgte die Verlegung der Universität nach Breslau, was mit an der im Vorjahr von Wilhelm von Humboldt in Berlin eröffnete Universität lag.
1991 schließlich wurde die Gründung der Europa-Universität Viadrina per Rechtsakt vollzogen.
Preußisches Heer
1626, im Dreißigjährigen Krieg also, forderte Kurfürst Georg Wilhelm die märkischen Stände auf, ein stehendes Heer von (vorerst) 3.000 Mann Fußfolk aufzustellen. Die Gründung der 4. Grenadiere und wird als Gründung des preußischen Heeres überhaupt angesehen. Prominente Besucher wie der kaiserliche General Tilly, Wallenstein und Gustav II. Adolf von Schweden brachten der Stadt nichts Gutes - Erstürmung, Plünderung, Pest. Im Laufe des Dreißigjährigen Krieges sank die Einwohnerzahl von ca. 12.000 auf 2.366 EW. Kriegskontributionen hielten die Stadt am Gnadentropf. Daran konnte auch ein Oberbürgermeisters Ungnad nur wenig ändern.
bedenklich:
1720 erhält das preußische Regiment Nr. 24 "von Schwendy" in Frankfurt Standquartier. In ihm diente ein Hans Joachim von Zieten als Fähnrich. Obwohl wegen geringer soldatischer Eigenschaften viermal bei der Beförderung übergangen, brachte er es bis zum General.
Als zum preußischen Staat gehörig, wurde die Stadt zum bevorzugten Ausgangspunkt expansiver Zänkereien gen Osten, was nicht im Interesse der einfachen Frankfurter oder Heinrich v. Kleist lag, der 1777 hier geboren wurde. Im Konflikt zwischen traditionell preußischem Pflichtbewußtsein, Patriotismus, Recht und Gerechtigkeit (Kohlhaas), edlem Streben und profanem Verdienstzwang, künstlericher Freiheit und Sensibilität war er ein moderner "Romantiker" und im Detail ausschweifender Chronist. Einer der wirklich großen Deutschen und Selbstmörder!
Seit 1999 darf die Stadt die Zusatzbezeichnung "Kleiststadt" führen.
1806 wurde die Stadt Garnisons- und Etappenort der Napoleonischen Armee. 1813 sicherten sich Reste dieser Armee den Rückzug, indem sie die Oderbrücke abbrennen.
Am 26. Januar 1945 wurde die Stadt zur Festung erklärt und evakuiert, fällt am 23. April an die Rote Armee. Tage zuvor und danach Brandstiftungen(?) mit Zerstörung der Innenstadt zu 93%. Mit dem Potsdamer Abkommen wurde Frankfurt (Oder) Grenzstadt und die Dammvorstadt polnische Nachbarstadt.
Der Strom von Flüchtlingen erforderte raschen Wohnungsbau und Aufbau neuer Industrie:
Das Halbleiterwerk (heute Institut für Halbleiterphysik), Metalleichtbaukombinat(?), traditioneller Obstanbau (VEB Oderfrucht), vorallem Äpfel.
Der Wiederaufbau erfolgte im sozialistischem Stil unter Neubau freistehender
Wohnblöcke. An historischen Bauten blieb nicht mehr viel. Dann dehnte
sich die Stadt nach Norden und Süden mit neuen Wohnvierteln wie Neuberesinchen
(nach den Birken, die hier viel Platz machen mussten) - über 15.000 Wohnungen
bis 1980.
Als Oststadt im Osten wuchs die Bedeutung, als Oststadt im Westen entwickelt sich die Stadt zum leergezogenen Haushalt mit der höchsten Scheidungsrate Deutschlands (12/2003) und zur Stadt der Singles.
[R] Rathaus: norddeutsche Backsteingotik mit berühmten Schmuckgiebeln, früher als Kaufhalle genutzt, beherbergt in den einstigen Tuchhallen die Galerie Junge Kunst mit Sammlungen zur zeitgenössischen Malerei, Plastik und Grafik.
[1] Marienkirche: Ruine einer gotischen Backsteinkirche (1253), im Wiederaufbau(?).
südlich davon die Gertraudkirche: neugotische Backsteinkirche, enthält einige Einrichtungsstcke aus der Marienkirche. Die Lindenstraße westlich davon mit einigen sehenswerten Landhäusern wohlhabender Bürger.
[2] Gamisonsschule: spätbarockes Gebäude, enthält das Kleistmuseum. Nahe die
Friedensglocke am Oderufer.
[3] Junkerhaus: späbarocke Anlage, früher Wohnhaus der Professoren der Universität Viadrina, prächtige Stuckdecke, beherbergt heute das Bezirksmuseum Viadrina.
[4] Löwenapotheke: eines der ältesten Gebäude der Stadt, Fassade aus dem 18.
Jh.
[5] Friedenskirche (1300 ), später neugotisch umgebaut.
[6] Konzerthalle: ehemalige Franziskaner-Klosterkirche, Netz- und Sterngewölbe,
vorzügliche Akustik. Westlich davon das spätbarocke Kollegienhaus mit einer
Sammlung historischer Musikinstrumente.
[7] Lennépark, westlich der Innenstadt, Lienaupark nördlich davon
weiterhin:
Oderturm, weithin sichtbares Bürohochhaus (siehe oben) an der Oder
Kabinett der Galerie Junge Kunst, Heilbronner Straße 19.
- Kleist-Tage: Oktober
- Festtage der Musik: Februar bis März.
erbaulich: Helenesee (Tagebauloch)
Ulrich von Hutten war einer der ersten Studenten der 1506 hir eröffneten LandesUniversität. Ihm folgten im Laufe der Zeit Thomas Mntzer, die Brder Humboldt, Carl Philipp Emanuel Bach. Heinrich von Kleist war Bürger der Stadt.
Booßen Güldendorf Hohenwalde Kliestow Lichtenberg Rosengarten Markendorf Pagram