Kempten - ersterwähnte deutsche Stadt

kreisfreie Stadt an der Iller mit 61.510 EW (1998)

Erstmals 18 n.d.Z erwähnt als "Cambodunum" in einer Beschreibung des griechischen Geographen Strabo, nachdem im Jahr zuvor hier eine offene Marktsiedlung mit Forum, Basilika Tempeln, Thermen, Läden und Werkstätten errichtet wurde.

752 wurde die Missionszelle unter fränkischem Einfluss zu einem Benediktinerkloster. König Rudolf von Habsburg verlieh Kempten 1289 einen Freiheitsbrief. 1525 kaufte sich die Stadt von dem Fürststift frei, das nach der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg (1632) zwischen 1651 und 74 als fürstliche Residenz neu errichtet wurde.
Neben der Bürgerstadt entstand im 17. Jh. eine Stiftsstadt, die 1712 Stadtrecht erhielt. Beide Städte waren reichsfrei und bekämpften sich gnadenlos bis aufs Blut und wetteiferten um die beeindruckendsten Bauten.

Der Stadtbrand von 1741 vernichtete 28 Häuser mit 62 Herbergen, 19 Scheunen und Ställen.

1803 wurden beide Städte bayrisch und 1811/18 zu einer Stadt vereint.
Kempten ist heute Wirtschaftsmittelpunkt und zentrale Einkaufstadt für das Allgäu. 1972 wurden die Randgemeinden Sankt Mang und Sankt Lorenz eingemeindet.

HTW Kempten

Von dem ehemaligen Stadtmauerring der ehemaligen Reichsstadt blieben nur der Turm auf der Burghalde [3] und ein Pulverturm südostlich am Burgberg original erhalten. [W] Waisentorturm und [I] Illertor sind moderne Nachbauten.
[R] Rathaus, 1368 Fachwerkbau als Kornschranne mit Ratssaal, 1474 als Steinbau erneuert, letzter Umbau 1987; mit Trompetenmännle, Rathausbrunnen mit Brunnensäule (1601), Nachbildung 1993.
Rathausplatz:
Ehemalige Marktgasse der Reichsstadt. Die anliegenden Wohn- und Geschäftshäuser, entstanden im 16. bis 18. Jh., meist durch Veränderung vorhandener mittelalterlicher Gebäude, wurden zumeist im 17./ 20. Jh. erneuert.
Nr. 2, Londoner Hof, schönste Rokokofassade der Altstadt 1764
Nr. 3, Altes Zollamt, im Innern gotische Wandmalereien, heute Stadtarchiv
Nr. 5, Neubronnerhaus, spätbarocke Fassade 1796, heute Stadtarchiv
Nr. 10, Ponickauhaus, Patrizierhaus aus zwei älteren Häusern, 1740 Fassade, barockes Treppenhaus und Festsaal
Sigmund-Ullmann-Platz südlich vom Rathausplatz: Zunfthaus, Renaissance-Fassade und verziertes Portal um 1600

Kempten Innenstadt Plan[1] Kronenstraße: König'sche Häuser Nr. 29 und 31, im 18. Jh. auf älterem Kern erbaut. Die prächtige barocke Fassadengestaltung mit Bemalung Mitte 18. Jh. und 1771 ist einzigartig in der Altstadt.

[2] Bäckerstraße: Häuserzeile 15. - 19. Jh., abzweigend der romantische Winkel des Ankergässels mit dem Ankertörle, dem einzigen erhaltenen Stadtmauerdurchgang.
St. Mang-Platz: Gotische St. Mang-Kirche, 1426 - 28 errichtet über romanischem Vorgängerbau, Kirchturm (66 m hoch) bis zur Höhe der Turmuhr noch aus romanischer Zeit. Jugendstilbrunnen, 1905.
Mühlberg-Ensemble, mittelalterliche Häusergruppe; Nr. 12: ältestes Steingebäude Kemptens (1289 erbaut), Seelhaus zum Steg bis 1501 ;
Fachwerkhäuser Nr. 10 und Nr. 8: 1354 und 1356 erbaut, Fachwerkaufsatz 18. Jh. Rotes Haus, aus zwei spätmittelalterlichen Häusern zusammengebaut, gemeinsame zehnachsige Fassade um 1730, schmiedeeisernes Gitter über dem Eingang.

[3] Burghalde: Einer der ältesten besiedelten Bereiche der Stadt, Hügel einst von der Iller umflossen, spätrömisches Kastell, im Mittelalter dort Burg der Klostervögte, 1488 in Stadtbefestigung einbezogen, Turm aus 1488 noch fast original erhalten, 1705 geschleift, Wärterhaus 1870/89, seit 1950 Freilichtbühne.
[4] Markthalle am Königsplatz
[5] Fischerstraße: Heute Fußgängerzone, etliche Bürgerhäuser des 18. / 19. Jh. unter Denkmalschutz; Schlössle: Erbaut 1593, nobles Wohn- und Geschäftshaus;
Freitreppe: 1903/04 angelegt, Blick auf Rathausstraße und -platz. Beachtenswert auch die Fassaden der Gebäude Rathausstraße 5 mit Erker und Fischersteige 8 (Neorokoko).

[6] Zumsteinhaus: Schönstes klassizistisches Bürgerhaus der Stiftsstadt, 1802 erbaut, mit Römischen Museum und naturkundlicher/geologischer Sammlung. Daneben Gittertor von 1830 mit seltener perspektivischer Darstellung.

[7] Hildegardplatz: Südlicher Teil der barocken Platzanlage um die St. Lorenz-Basilika.
Landhaus von 1732 mit stuckiertem Saal. Residenzplatz, Hildegardplatz, Stiftsplatz und Kornhausplatz reihen sich - gemäß dem barocken Baukonzept reizvoll gestaffelt - aneinander.

[8] Residenz: Ehemalige Residenz der Fürstäbte von Kempten, Benediktinerkloster 8. Jh. bis 1803, Doppelhofanlage in kostbarstem süddeutschen Barock, 1651 - 1674 von Michael Beer und Johann Serro erbaut, stuckierter Fürstensaal und original erhaltene Prunkräume mit hervorragender Rokoko-Ausstattung (einmalig im süddeutschen Raum).

[9] St. Lorenz-Basilika: Erster großer Kirchenbau in Süddeutschland nach dem dreißigjährigen Krieg als Pfarr- und Klosterkirche (Baubeginn 1652), Baumeister M. Beer und J. Serro, großartige Doppelturmfassade (Turmhelme 1900), mächtige Kuppel über dem Chorraum, bedeutende Innenausstattung, u. a. geschnitztes Chorgestühl mit seltenen Scagliolaplatten.

[10] Kornhaus: Um 1700, barocke Fassade mit dreistöckigen Volutengiebeln, heute Festsaal und Sitz des Allgäu-Museums mit Kunstgewölbe.

[11] Marstall: Um 1730 erbaut, mit Alpinmuseum "Der Mensch und das Gebirge - von der Urzeit bis zur Gegenwart" und der Alpenländischen Galerie - sakrale Kunst der Spätgotik aus dem Allgäu, Oberschwaben, Tirol und Vorarlberg; beides Zweigstellen des Bayerischen Nationalmuseums.

[12] Wohn- und Handwerkerviertel der ehemaligen Stiftsstadt mit verwinkelten Gassen, Fachwerkhäusern, Herbergen und Bauernhäusern. Seelenkapelle - Friedhofskapelle der Stiftsstadt bis 1804.
Fürstenschule - 1750 zu amtlichen Zwecken erbaut, später Weinhandlung, Landgericht, Kinderbewahranstalt, seit 1838 Schulbetrieb, Volutengiebel.

[13] Orangerie: 1780 erbaut als nördlicher Abschluss des ursprünglich in drei Terrassen angelegten Hofgartens, heute Stadtbibliothek.

[14] Stadttheater;
Auf der anderen Seite der Iller der Archäologische Park Cambodunum - APC - mit herrlichem Blick auf die Stadt

Stadtteile/Eingemeindungen:

Lage einiger Orte im Stadtgebiet von KemptenAdelharz Breite Bühl Eich Halde Härtnagel Heiligkreuz Hirschdorf Kollerbach Lenzfried Leubas Leupolz Leupratsried Lotterberg Mariaberg Neuhausen Oberwang Rothkreuz, St. Mang, Steufzgen Stiftallmey Thingers Unterwang Ursulasried Zollhaus

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